FASZINATION CROSS-TRIATHLON

SCHWIMMEN - MOUNTAINBIKE - TRAILRUN

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TAUCHE EIN, FÜHLE MIT

RENNBERICHTE EINES AMATEURS MIT PROFIEMOTIONEN

XTERRA FRANCE 2021
Ein Kampf gegen die Elemente in den Vogesen

 

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Jeder wusste ja das es hart wird und dass man hier freiwillig startet.

Der Wetterbericht sagte starken Regen, Wind und Kälte voraus. Der XTERRA France bei Gerardmer.

Dieses Rennen ist genau das Gegenteil von Chilly-Vanilly-Komfortzone. Wer hier anfängt mit seinem Schweinehund auch nur ganz kurz zu diskutieren, der hat schon verloren. "150 do not finish" gab es, 500 weitere kamen ins Ziel und waren hinterher nicht einmal Ironmans. Nein, eher total verdreckte Gladiatoren die in drei Disziplinen bei übelsten Bedingungen durch die Vogesen jagten.

Beim Schwimmstart stand ich also wieder ganz rechts und vorne. 50 Meter mehr bis zur ersten Boje, dafür bessere Chancen in der ersten Reihe nicht abzusaufen. Diesmal in Neopren-Rüstung. Als Waffe nur eine kleine Garmin Fenix an der linken Hand; kampfbereit, adrenalingeladen und Testosteronlevel auf dem Maximum; mit Dinkel-Pasta und Rotebeetesaft voll aufgeladen. Erst durften die 65 Profis starten, dann griffen hunderte Agegrouper an. Der See sprudelte durch wild umherfliegende Arme und Beine. Ich kam erstaunlich entspannt aus dem ersten 1,5km Kampf im Wasser.

Das Schwimmen mit den schnellen Jungs vom TNB Malterdingen zeigte Wirkung. An den Wendebojen überwachten Taucher mit Kameras das Geschehen, das keiner absäuft. Als 75ter wechselte ich von Neo und Badekappe auf das Mountainbike.

Jetzt Vollgas und Angriff! Über geniale Trails und 1200 Höhenmeter. Am ersten langen, technischen Uphill konnte ich gleich richtig Druck aufs Pedal bringen. Ich sammelte einige Mitstreiter ein die Ihre Namen auf dem Trikot abgedruckt hatten. Beim Blick zurück auf die Startnummern ertappte ich mich immer wieder beim Lächeln weil ich wusste "Noch ein Profi". Das gibt natürlich eine extraportion Motivation.

Aber egal, ob Pro oder Agegrouper: der Xterra France gilt als der härteste Cross-Triathlon in Europa. Ein Rennen wo irgendwie jeder als Sieger durch den hölzernen Torbogen am Ende rennt. Es geht beim Cross-Triathlon weniger um gutes Aussehen, große Zuschauerzahlen und kontrolliertes Pacing. Vielmehr um dich selbst im Kampf gegen den stärksten Gegner: die Natur. So schön sie bei allen XTERRA Rennen ist, so hart kann sie dir die Grenzen aufzeigen. Und genau das ging mir durch den Kopf als ich in die zweite Mountainbikerunde fuhr. Ein kalter, starker Regen prasselte auf uns Triathleten im dünnem Rennanzug. So stark, dass es fast weh tat auf dem Rücken. Fast, weil die Beine definitiv mehr brannten. Der lange steile Uphill mit vielen Steinen und Wurzeln ist ja so schon anspruchsvoll aber nun wurden auch noch alle Trails mit Wasser geflutet, eine reine Schlammlacht. Die Räder sackten manchmal einen halben Meter tief im Schlamm ein. War Dein Vorderrad schon einmal bis zur Nabe versunken?

Und irgendwie musst du weitertreten. Die braune Dreckbrühe läuft permanent am ganzen Körper runter und in den Schuhen wird es so richtig unangenehm. Dennoch immer hochkonzentriert bleiben und die vielen rutschigen Wurzeln möglichst gerade ansteuern.

Meine 1,0 Bar, etwas Milch und Pepi Tire Noodles von Maxalami im Maxxis Ikon waren meine Absicherung und sorgten für Grip; sturzfrei, juhu! Aber viel mehr kam mir zugute dass ich wusste jetzt wird es erst richtig hart. Zum Franzosen an meinem Hinterrad rief ich:

"Now it's getting really crazy!" Er schüttelte nur den Kopf und sein Blick sprach Bände.

Das Thermometer zeigte hier oben am Berg jetzt 9 Grad. Ein Glück hab ich vom Winter noch etwas Reserven übrig, sprich mein Körper kühlt weniger schnell aus. Heißt aber auch, für die extrem Austrainierten wird´s härter. Und die holte ich mir in der zweiten Radrunde. So schreibt jedes Rennen seine eigene Story und aus Schwächen werden plötzlich Stärken. Die Zuschauer im letzten Downhill waren so laut und zahlreich das man Gänsehaut bekam.

Durch den Aufdruck des Namens brüllten gefühlt 1000 Zuschauer auf einmal "Allé Tobias" oder "Go go go Tobias"! Als ich begeistert durch die Holzrampen und Schrägkurven kurz vor dem zweiten Wechsel raste merkte ich aber von meinen Händen und Füßen nicht mehr all zu viel. Der Wechsel war deshalb wirklich amüsant. Den Isodrink am Wechselplatz nutzte ich um die Augen und Gesicht einmal kurz abzuspülen. Dann irgendwie in die Trail-Laufschuhe rein und einfach mal losrennen.

Es warteten noch 10km und etwas mehr als 300 Höhenmeter. Wieder steil, immer schlammig und rutschig, immer voll am Limit. Die erste Runde ging ich vom Tempo her kontrolliert an. Am Ende der Runde gab es ein rotes Armband, mein Motor lief wieder rund und mein Grinsen wurde breiter. Jetzt machte ich richtig Krawall. Mein Ziel: so viel rote Armbändchen überholen wie es nur geht. In einem totalen Tunnel wie ich es noch nie erlebt habe sammelte ich noch 10 rote Bändchen ein. Was ein verrücktes Spiel voller Endorphine, Adrenalin, Serotonin und was auch immer der Körper noch so ausschüttet um den Schmerz zu unterdrücken bzw. ihn als Spaß zu übersetzen. Was wir doch für Wunderwaffen sind! Wann hast du das letzte Mal so richtig deinen Körper und seine Hormone gespürt? Im Ziel angekommen dachte ich mir nur: Überlebt!

Dann noch kurz in die Kamera gegrinst und zwei Flammkuchen und ca. 300 Cola weggeatmet. Gefolgt von einem Eis, einer Portion Nudeln, einem Eiweißshake, einer Tafel Schockolade mit nem Glas Milch und so ging das dann zwei Tage lang weiter. Mindestens genauso umfangreich waren meine Bemühungen die Klamotten, die Schuhe, das Bike wieder sauber zu bekommen. Sagen wir mal so: Das Essen war einfacher. Das Racextract Racing Team startet ab sofort in braunen Trikots Oder wir brauchen einen Waschmittelhersteller als Sponsor. Angebote?=)

Rückblickend bin ich über meinen 42ten Platz sehr glücklich. Man vergleicht sich am Besten erst einmal mit sich selbst und bei meinem letzten Start hier bei diesem Rennen wurde ich 150ter. Aber egal wer, wie schnell, usw... es war ein tolles Landschaftserlebnis in den Vogesen.

Ich habe coole Athleten getroffen und eine geniale Race-Festival-Stimmung genossen.

Danke an alle die mir die Daumen gedrückt haben! Das gibt Rückenwind für mehr!

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